Donnerstag, 29. Mai 2008 war es soweit: ich fuhr mit der Bahn (ICE) nach Frankfurt. Dort angekommen fuhr ich für günstige 1,50 Euro mit dem Bus ca. 8 Minuten ins Krankenhaus Sachsenhausen. Dem Busfahrer war es wohl noch viel zu früh zum Sprechen (8.30 Uhr) und da auch sonst niemand außer mir im Bus saß, war es dementsprechend ruhig. Auch gut.
Beim Krankenhaus angekommen spazierte ich ohne Umwege ins IMZ und meldete mich am „Schalter“. Dort wurde ich ganz herzlich empfangen und aufgenommen. Ich durfte mich noch einmal setzen, ein paar Blätter ausfüllen und ich hatte gerade genug Zeit, mir die anderen Leute anzuschauen: eindeutig waren diese aus dem gleichen Grund hier wie ich: Adipositas-Chirugie lässt grüßen.
Dann ging es ab auf die Waage: 154,2 kg (was bedeutet, dass ich seit meinem letzten Besuch hier sage und schreibe 0,5 kg verloren hatte *g*). Dann folgte ein EKG, mir wurde Blut abgenommen (die tolle Nadel ließen sie mir gleich in der rechten Armbeuge drin) und es wurde ein Ultraschall gemacht.
Oh ja, danach kam noch der Lungenfunktionstest. Da sitzt man dann in so einem kleinen Kammerchen, bekommt so ein Teil zum Reinpusten in den Mund und die Nase wird mit einer schicken lila Klammer abgedichtet. Ganz aufregend. Kam mir vor wie ein Astronaut („…Houston, wir haben ein Problem…“ *lol*).
Als ich hier fertig war wurde ich mit dem Aufzug in den 4. Stock geschickt und ich meldete mich offiziell zum Zimmerbeziehen an. Ich musste noch schnell Platz nehmen und konnte währenddessen einen jungen Mann beobachten, der ganz emsig ein Bett abzog, dann putzte und dann wieder neu bezog (es stellte sich später heraus, dass genau dies mein Bett werden sollte). Nachdem der Mann fertig war schnappte ich mir zum Zeitvertreib eins dieser Blätterchen die da so lagen und war ganz vertieft in die Wachturm-ähnlichen Flugblätter. Nur das diese katholisch waren und recht nett zu lesen waren. Zumindet ging so die Zeit schneller vorbei.
Dann war es endlich Zeit mein Zimmer zu beziehen. Schön. Sehr schön. Sehr groß, genügend Platz zum „Atmen“. Mein frisch geputztes Bett wurde herein gerollt, das passende Tischchen und zur meiner Überraschung gab es Schränke mit eingebautem, elektronischem Schloß. Mega cool. Man gibt seine eigene Geheimzahl ein und schwups ist der Schrank fest verschlossen. Da ich mich doch dazu entschieden hatte meinen tragbaren DVD-Player, unmengen an DVDs und zwei iPods mitzunehmen war mir so viel wohler in bezug auf diese Wertgegenstände.
Also erst einmal schön ausgepackt und mich dann mit DVDs auf Bett gesetzt. Meiner Bettnachbarin schien es nicht sonderlich gut zu gehen, denn ihr Mann und Sohn sahen recht besorgt aus und waren ständig um sie. Ich entschied mich die große „und warum bist du hier Konversation“ auf später zu verschieben.
Ich weiß nicht einmal mehr genau wann es dann war als man mich zur Magenspiegelung abholte. Dies war auch kein allzu großer Akt. Zu den „Endos“ hin bin ich auch noch selbst gelaufen. Die Schwestern schoben mein Bett. Dort angekommen noch kurz warten, dann ging es schon los. Mein Bett stand schon in dem Raum, ich durfte mich reinlegen (Schuhe vorher ausziehen sonst schimpfen die Schwestern *g*) und ich fühlte mich sehr wohl bei den Endos. Die machten viele Witze und als ich sicher zum zehnten Mal gesagt habe, sie mögen mir bitte ganz viel von diesem weißen Zeug da geben (auch bekannt als Propofal) versank ich auch schon in meinem Kissen. Ich kam erst wieder zu mir, als ich mit „meinen“ Schwestern im Aufzug nach oben war. Zurück in meinem Zimmer schlummerte ich noch gute 30-45 Minuten, dann war ich wieder munter.
Es folgten noch mehr DVDs (kennt ihr noch die Serie „Seaquest“ von 1993 ??), ein „lecker“ Abendessen in Form von ein paar Löffeln Suppe und dann etwas Unterhaltung mit der Bettnachbarin. Die war zwischenzeitlich im OP gewesen und wie ich nun wusste, wurde ihr nach einem Jahr Magenband-Hölle dieses wieder entfernt. Die arme Frau hatte in den letzten 12 Monaten acht weitere Operationen gehabt und nur Probleme. Grausam. Da hatte ich richtig Glück – trotz allem.
Oh ja, ich hatte von der lieben Schwester auch schon mein sexy OP-Hemd sowie Strümpfe bekommen und ebenso ein kleines, unscheinbares Zäpfchen. Ich werde euch den Gefallen tun und euch die Einzelheiten ersparen, nur soviel: nach dieser Zäpfchen-Geschichte hatte ich nur noch 152,2 kg auf die Waage zu bringen (macht ein Minus von zwei Kilos) *lach*
Gegen 0.15 Uhr schlief ich dann ein.
Freitag, 30. Mai 2008 Nachdem ich geweckt worden war rief ich zuerst einmal meine bessere Hälfte an und wir quatschten ein wenig. Nach dem Telefonat flitzte ich über den Gang zur Waage und siehe da: nur noch 150,6 kg. Dann ging es ab unter die Dusche (hübsch machen für die OP) und da ich wusste, ich würde nicht vor 12 Uhr in den OP kommen zog ich mir noch einmal „normale“ Sachen an. Ich sah es nicht so recht ein, den ganzen Vormittag in einem Hemdchen herumzusitzen, dass hinten offen war – von den sexy Strümpfen mal abgesehen. Das funktionierte auch recht gut bis dann die „Oberschwester“ kam. Ich nehme mal an, dass diese während des zweiten Weltkrieges gelernt hat und dementsprechend war mit ihr auch kein Verhandeln. Oft würde es im OP doch schneller gehen als man denkt. Daher solle ich mich doch schon fertig machen. Da ich kein Lust auf Streit hatte, tat ich dies dann auch. Oh ja, meine LMAA Tabletten brachte sie mir auch gleich. Ich fragte sie noch, ob dies vielleicht nicht etwas zu früh wäre, da es erst 10 Uhr war. Nein nein, die solle ich jetzt schon nehmen. Na guuut. Wenn sie meinen.
Eine gute Stunde später wachte ich dann wieder auf: wahnsinn Leute ! Was Tabletten mit einem machen ! Die hauen sogar jemanden wie mich um. Rack zack weg war ich. Ok, nicht ganz so schnell. Aber keine 10 Minuten nach Einnahme merkte ich wie ich immer schläfriger wurde.
Da ich nicht viel zu tun hatte wackelte ich nochmal schnell auf die Waage *sucht* und siehe da: 149,1 kg. Noch vor der OP hatte ich endlich die 150 kg hinter mir gelassen. Das machte ein super Gefühl und kurz darauf, gegen 13.30 Uhr kam dann mein „Taxi“ das mich in den OP brachte. Juhu. Ich war so aufgedreht vom Warten das ich förmlich ins Bettchen gesprungen bin. Mein Pfleger meinte nur, er hätte noch nie jemanden gesehen, der sich so auf eine OP freut. Ob ich denn aufgeregt bin ? Ich ? Neeeeeiiiinn *grins*
Ja, im OP angekommen ging es auf diesen tollen OP-Tisch/Wagen (wie auch immer), ich bekam eine tolle angewärmte Decke und mir wurden auf dem Oberkörper diese tollen klebrigen Dinger angebracht – zur Kontrolle von Herz etc. Oh ja, eine Blutdruckmanschette gab es auch noch. Ich fragte alle Leute in dem Raum, ob sie oder er der Anästhesist wären damit ich ihm oder ihr nochmal sagen kann, dass sie ja auf mich aufpassen. Das habe ich dann auch getan – so ca. 20 mal. Ich glaube, ich sorgte damit für einige Lacher und kurz bevor ich merkte jetzt bist du gleich weg, sagte ich noch fröhlich: bis später dann
Später war dann knapp 3 Stunden als ich im Aufwachraum zu mir kam. Ich war dort mit einer ganz lieben Schwester allein (war ja schon 16.30 Uhr) und das erste was ich tat war meine Nase anzufassen: und tatsächlich: da war etwas. Noch halb benommen fragte ich, ob das eine Magensonde ist *hilfe*, aber die liebe Frau meinte nur, nein meine Prinzessin, das ist nur Sauerstoff. Ich war beruhigt.
Kurz danach durfte ich wieder auf meine Station und abgesehen von der Übelkeit durch die Narkose ging es mir recht gut. Ich bekam lecker Infusion und ein kleines Fläschchen gegen die Übelkeit. Ich tätigte die zwei wichtigsten Anrufe (mein Schatz und meine Mom) und dann war ich auch schon wieder weg. Gegen 0.15 Uhr stand ich das erste Mal auf (mit Hilfe) und wackelte zur Toilette. Da sah ich sie dann auch das erste mal so richtig bewusst: meine Handtaschen bzw. meine „Fiffis“ (wie wir sie später liebevoll nannten).
Samstag, 31. Mai 2008 ging ich morgens ganz alleine und tapfer auf Toilette. Ich wollte mir die Zähne putzen, meine Haare etwas bändigen und endlich etwas vernünftiges anziehen. Wow ! Ich war so gut wie fertig dann merkte ich, wie mein Blutdruck in den Keller ging und mir gaaanz anders wurde. Mit letzte Kraft habe ich mich super schnell (wie das eben mit zwei Fiffis geht) ins Bett gelegt und erst einmal Füße hoch. Ich glaube, eine Sekunde länger und ich wäre im Bad vom Stuhl gefallen. Was war mir schlecht. Und was tat das weh. Ich bimmelte dann nach der lieben Schwester und ich bekam tolle Tropfen. Ich schaltete mein Hörspiel an „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling und nach ca. zwei Minuten war ich schon eingeschlafen. So ging das dann den ganzen Tag. Immer wieder bin ich eingeschlafen und habe daher nicht sehr viel mitbekommen. Gegen Nachmittag habe ich es tatsächlich auch schon geschafft, mir einen Becher Wasser zu holen. Der Automat war ca. 30 Meter vom Zimmer entfernt, für mich war das aber schon eine Weltreise
Abends gegen 20.10 Uhr ging es noch mit drei anderen (inklusive meiner Zimmernachbarin) zum Ultraschall. Das war eine lustige Unternehmung. Alle vier hatten wir mindestens einen „Fiffi“ und wir machten Witze darüber, wer zuerst beim „Ultraschallzimmer“ ankommt. Meine Bettnachbarin schickten wir als erstes hinein, da wir inzwischen auch wussten, dass, wenn alles in Ordnung ist, wir unsere Fiffis gezogen werden. Ich bin da ja ein ganz schrecklicher Schisser. Und ja, mir sollten wirklich beide noch heute gezogen werden. Mir war schon ganz Angst und Bange, aber mir wurde gesagt, dass tut echt nicht weh. Und es tat auch nicht weh. Den kleinen merkte ich nicht einmal und der große, ok, das war schon komisch. Kein Schmerz. Nur ein absolut komisches Gefühl. Mir wurde gesagt das dieser große Schlauch direkt in den Magen geht. Und so fühlte es sich an. Ich meine, man bekommt nicht alle Tage einen Schlauch aus dem Magen gezogen
Sobald diese Fiffis meinen Körper verlassen hatten, ging es mir schlagartig besser. Und ich gebe es zu: in dieser Nacht habe ich schon wieder das erste Mal so halb auf dem Bauch schlafen können
Sonntag, 01. Juni 2008 wurde ich gegen 6 Uhr und einer wunderbaren Nacht (ich konnte durchschlafen) durch meine Bettnachbarin geweckt. Diese entschied, dass es jetzt Zeit wäre aufzustehen und die Vorhänge aufzuziehen *aaarrr*. Da ich noch nicht aufstehen konnte, schaute ich mir erst einmal einen Film auf Sat1 an. Und das um 6 Uhr morgens. Wahnsinn.
Gegen 8 Uhr quälte ich mich dann aus dem Bett (die Waage zeigte mir tolle 148,8 kg) und ich ging duschen. Danach gab es neue Pflaster (das ich nicht genäht sondern getackert wurde wusste ich bis dato schon) und bei der Visite sagte ich dem Arzt, dass ich heute gehen möchte. Er fand das nicht so doll und meinte, lieber erst morgen. Ich fühlte mich jedoch putzmunter und da dies nicht meine erste OP war sagte ich ihm, dann entlasse ich mich selbst bzw. auf eigenes Risiko. Ich musst dafür noch einen Wisch unterschreiben und gegen 14 Uhr kam dann mein Schatz und holte mich nach Hause.
Samstag, 07.Juni 2008 Das alles ist jetzt knapp eine Woche her. Meine Klammern jucken wie blöde und bei dem Versuch diese heute im Krankenhaus hier im Ort ziehen zu lassen meinte der Arzt nur, ne ne, erst nach mindestens 10 Tagen. Verdammt ! Hatte mich schon gefreut diese loszuwerden. Die jucken nämlich nicht nur, die sind auch schon ganz rot. Aber das ist wohl normal und gehört dazu. Prima ! Also erst am Montag bzw. Dienstag.
Ansonsten…das Essen klappt ganz gut. Es ist schön endlich wieder ohne Schmerzen essen zu können. Wir sind ansonsten gerade nur am Einkaufen weil wir seit ich entlassen wurde sehr viel Obst und Gemüse essen. Mein absoluter Favorit: Erdbeeren putzen, kleinschneiden, etwas Quark mit Joghurt vermischen, Erdbeeren hineinschubsen und voilá: fertig ist der gesunde, selbstgemachte Erdbeerquark
Oh, und heute habe ich sogar Fisch gegessen *yiha*
Die Waage…noch immer bei 148,8 kg !! Ich bin gut, ich bin verdammt gut.
Ziel bis zur zweiten OP: Gewicht halten !
P.S. Und das hier ist er: Manni alias das Magenband – jetzt im Becher









Hallöchen
ersteinmal Herzlichen Glückwunsch zur überstandenen und erfolgreichen OP. Schön das du das so gut weggesteckt hast und uns/mir so wundervoll erzählt hast.
Mein Herzallerliebster könnte da mal was ablegen, so um den Bauch herum.
Also dieses Zeug da, das welches diesen rasanten Sprung auf deiner Waage verursacht hat, das hätt ich gern
Deine Narbe ich gestehe sieht FIES aus, so rot und mich juckt es auch schon ander Stelle, puh schön wenn du die Dinger los wirst.
So einen schönen Sonntag noch und guten Appetit beim ERdbeeren essen…..will auch welche.
LG
Bonafilia
Von: bonafilia am Juni 8, 2008
um 7:57